Verehrte Landfrauen, sehr geehrte Damen und Herren! 1. Herzlich danke ich für die Einladung, heute vor Ihnen sprechen zu dürfen. Ich habe sie gerne angenommen, um mit Ihnen einige Überlegungen zum Thema „Lebensmittelpunkt - Region“ anzustellen. Ich spreche zu Ihnen als Bischof und erster Seelsorger im Erzbistum Bamberg und damit in der Region Oberfranken und auch Mittelfranken. Als Bischof und Seelsorger möchte ich einiges zu unserer Region zu sagen und dazu beizutragen, dass unsere Region liebenswert und lebenswert ist und bleibt. 2. Bevor ich zu Ihnen über „Lebensmittelpunkt - Region“ oder wie das Thema ursprünglich lautete: „Die Region – unser Lebensmittelpunkt“ sprechen kann, ist es notwendig, die Begriffe „Region“ und „Lebensmittelpunkt“ zu klären bzw. näher zu bestimmen, was mit ihnen gemeint ist. 2.1„Region“ Der Begriff „Region“ ist vielschichtig und schillernd. Das Wort „Region“ wird in verschiedenen Zusammenhängen und auf sehr unterschiedlicher Vorgegebenheiten hin verwendet. Wir sprechen z. B. in Deutschland von Regionen und meinen damit oft einfach die Länder. Die „Region Bayern“ meint den „Freistaat Bayern“ und die „Region Ost“ die Länder „Sachsen“, „Thüringen“, „Brandenburg“, „Berlin“, alle Länder, die zur ehemaligen DDR gehörten. In allerletzter Zeit sprechen wir auch von der „Region Europa“ und meinen damit die „EU-Staaten“ im Unterschied zu den europäischen Ländern, die nicht zur EU gehören. Weltpolitisch ist auch der Ausdruck „Krisenregion“ geläufig, z. B. der „Nahe Osten“, gemeint ist damit der „Iran“ und „Irak“ oder auch „Israel“, „Palästina“, „Libanon“ und „Syrien“. Auch innerhalb Bayerns wird von Regionen gesprochen. Oft sind damit die Bezirke „Oberfranken“, „Unterfranken“, „Mittelfranken“, „Oberpfalz“, „Nieder- und Oberbayern“ gemeint. In anderen Zusammenhängen sprechen wir von den „ländlichen Regionen Bayerns“ und meinen damit die Gebiete, die von Landwirtschaft und dörflicher Struktur geprägt sind im Gegensatz zu den mehr städtisch Regionen, wie z. B. der Großraum München und Nürnberg-Erlangen-Fürth, die offiziell als „Metropolregion Nürnberg“ bezeichnet wird. - Das erste Fazit aus dem, was ich eben schlaglichtartig gesagt habe, ist: „Region“ ist ein sehr schillernder Begriff und man muss jeweils klären, was gemeint ist, wenn er verwendet wird.
- Aus diesen kurzen Darlegungen ist als zweites Fazit ersichtlich, dass jeder Mensch in verschiedenen Regionen lebt. Wenn jemand z. B. im Lichtenfelser Land auf einem Hof lebt, dann lebt er in der ländlichen Region „Lichtenfels“. Zugleich lebt er in der Region Oberfranken, d. h. im „Bezirk Oberfranken“, mit der speziellen wirtschaftlichen, kulturellen, geschichtlichen, verwaltungstechnischen Prägung. Und er lebt drittens selbstverständlich in der Region Bayern, d. h. im Freistaat. Er lebt auch noch in Deutschland und der Region Europa mit allem, was dazugehört.
- Ein drittes Fazit ist aus den Ausführungen über „Region“ zu entnehmen: Die Regionen, in der jeder Mensch lebt, durchdringen sich, sind aufeinander angewiesen und befruchten sich. Deshalb ist es wichtig, sie auch zu kennen.
2.2 Was macht nun eine Region aus? Im Duden wird „Region“ so definiert: „ein Gebiet, das unter bestimmten, z. B. geographischen, politischen, wirtschaftlichen (und kulturellen) Kriterien eine Einheit bildet und gegen andere, es umgebende Gebiete abgrenzt oder abgrenzbar ist“. - Jede Region ist also zuerst durch territoriale Grenzen bestimmt.
- Zweitens ist sie geprägt durch Landschaft, Bebauung und Lebensart. So ist der ländliche Raum durch Felder, Wald, Wiesen, Berg und Tal, Dörfer, Weiher, durch Landwirtschaft, durch reges Vereinsleben, Trachten und Folkloregruppen charakterisiert. Daraus ergibt sich auch eine bestimmte Mentalität der Menschen, ihr Miteinander und Füreinander.
Eine Stadtregion, wie z. B. Nürnberg-Erlangen-Fürth, ist geprägt durch Industrie, Arbeitsstätten, Büros, durch größere Bevölkerungsdichte, enges Aufeinanderwohnen in Hochhäusern, durch Schulen, Geschäfte, Universitäten. Jede Region ist eigen geprägt durch die Geographie, Besiedlung, Lebensart und Kultur. Dies ist im Blick zu halten, wenn wir von Region reden. 2.3 „Lebensmittelpunkt“ Schon allein das Wort „Lebensmittelpunkt“ zeigt sehr deutlich, dass es um einen „Mittelpunkt“ und nicht um das „Ganze“ des Lebens geht. Das Ganze ist immer mehr als der Mittelpunkt. Das Leben hat einen Mittelpunkt, aber es ist mehr. Der „Mittelpunkt“ soll bewahren und erhalten, aber auch ermöglichen, dass das Leben im umfassenden Sinn gelebt werden kann. Es gilt der Spruch: „Nur wer fest verankert ist, kann sich weit hinauswagen“. Oder: „Wer fest steht, kann sich weit ausstrecken“. Lebensmittelpunkt heißt: Hier verbringe ich einen großen Teil meiner Zeit, vor allem meine Freizeit, hier habe ich meine Familie, meine Freunde. Der Lebensmittelpunkt gibt Geborgenheit und Halt, in ihm empfange ich Kraft und Zuversicht, um dann aber auch über den Lebensmittelpunkt hinaus zu wirken, zu arbeiten, zu handeln und mitzuwirken, „zu leben“. 2.4 Mittelpunkt des Lebens nicht des Todes Das Wort „Lebensmittelpunkt“ weist auf noch etwas Wichtiges hin. Der Lebensmittelpunkt muss Leben vermitteln und darf nicht todbringend wirken. Auch das gibt es! Wenn z. B. Jugendliche und Erwachsene in Sekten, Neonazigruppen und Gangs, in Alkoholismus oder Rauschgift abrutschen und dort ihren (Lebens)mittelpunkt bekommen, kann das sozial, psychisch und sogar physisch tödlich sein. Der Lebensmittelpunkt muss Leben vermitteln. Das gilt für die Umwelt und Natur, das gilt für Ethik und Moral, für die Einstellung zum Leben und für Verhaltensweisen. Diesbezüglich ist große Wachsamkeit auf allen Ebenen erforderlich. 3. Lassen Sie mich nun im dritten Teil die beiden Begriffe verbinden: „Lebensmittelpunkt – Region“ oder: „Die Region – unser Lebensmittelpunkt.“ Es ist nicht möglich, alle Regionen, in denen Sie und ich ganz konkret leben und wirken, zu behandeln. Ich nenne sie noch einmal: Ländlicher Raum (Ihr Lebensmittelpunkt als Landfrauen und Bauernverband Lichtenfels), städtischer Raum (Bamberg/Nürnberg/Würzburg, Metropolregion Nürnberg), Franken und Bayern, Deutschland, Europa. Ich möchte mich jetzt mit Ihnen darauf beschränken, was Sie letztlich auch interessiert: Auf Ihren Lebensmittelpunkt, die ländliche Region Oberfrankens und auf die Region Bayern, die sich wie konzentrierte Kreise durchdringen und die beide unser Lebensmittelpunkt sind. 3.1 Jeder Mensch betrachtet normalerweise nur eine Region als seinen Lebensmittelpunkt (Das kann sich im Laufe des Lebens, d. h. in Kindheit, Jugend, Erwerbs- und Familienleben ändern). Diese Region mit ihrem Territorium, mit ihrer Prägung, mit ihren Menschen, ihrem Milieu, mit ihrer Kultur ist Lebensmittelpunkt. Lebensmittelpunkt bleibt die Region für die/den Betreffenden nur, wenn sie bereit sind, sich für sie zu engagieren, um ihren Wert für sich und auch für andere zu erhalten. 3.2 Nehmen wir zunächst Bayern als die Region, in der unser Lebensmittelpunkt „der ländliche Raum“ liegt. Er ist im umfassenden Sinn auch unser Lebensmittelpunkt. Was prägt Bayern? Das Territorium und die Geographie kann man auf jeder Landkarte schnell ablesen und betrachten. Was macht Bayern kulturell aus? Sein christlich-soziales Gepräge (Wobei ich diesen Begriff nicht parteipolitisch, sondern soziokulturell verstehe). Unsere Region ist seit 50 Jahren christlich-sozial geprägt. Man kann es äußerlich überall feststellen, dass das Christentum in Bayern Heimat hat und diese Region prägt. Die Kirchen sind in jedem Dorf und jeder Stadt zu sehen. Auf dem Land gibt es Kapellen und Wegkreuze. Es gibt überall auch Pfarreien; die kirchlichen Schulen und Kindergärten prägen und fördern die Jugend. Die Verfassung des Freistaates Bayern ist christlich geprägt. Bayern ist sozial. In vielem steht es im Vergleich zu anderen Bundesländern Deutschlands und erst Recht über Deutschland hinaus, an oberster Spitze. Sozial ist in Bayern (mit Einschränkungen und Abstrichen) die Bildung, die Krankenversorgung, die Altenheimfürsorge, die Arbeitsplätze, Industrie und Handwerk. Bayern ist geprägt von christlich-sozialer Ethik und Tugenden. Die Zehn Gebote prägen das persönliche und gesellschaftliche Miteinander, ebenso das Hauptgebot der Gottes- und der Nächstenliebe sowie die Goldene Regel: „Was du nicht willst, das man dir tu’, das füg auch keinem anderen zu“ - und positiv formuliert: „Was du willst, dass man dir tut, tu’ zunächst deinem Mitmenschen“ und die Seligpreisungen der Bergpredigt. Wir haben ein gut funktionierendes Rechtsystem, die Kriminalität ist verhältnismäßig niedrig, jedenfalls im Vergleich zu anderen Ländern. In der Sitte, d. h. im Umgang miteinander, herrscht Vornehmheit, Achtung, Toleranz und Respekt; es gibt auch bei uns erschreckende Ausnahmen, die leider Gottes in letzter Zeit zunehmen. Aber ist uns das alles noch ein Wert? Ich will nicht Richter über die derzeitige politische Situation in Bayern sein, aber in ihr ist doch auch deutlich geworden, dass in unserer Region einige Fundamente des Christlich-Sozialen am Wanken sind. Politik bedeutet, sich um das Wohl der Stadt und wenn sie auf eine Region wie Bayern bezogen ist, sich um das Wohl der Region zu kümmern. Die Politiker müssen als erste ihre ganze Arbeitskraft und auch ihre Lebensführung dafür einzusetzen. Aber wie verhält es sich zur Zeit in unserer Region? Christlich-sozial bedeutet, dass niemand ausspioniert wird, weder von einer Staatskanzlei noch von der Nachbarschaft, weder am Arbeitsplatz, noch im Krankenzimmer, um dann solche Informationen gezielt für irgendwelche egoistischen Ziele einzusetzen. Zur christlich-sozial geprägten Region gehört, dass die Zehn Gebote gehalten werden, zu denen das dritte gehört: „Du sollst den Sonntag heiligen“. Christlich-sozial verbietet, dass der Sonntagsschutz ständig mehr ausgehöhlt wird durch die Maschinenlaufzeiten der Industrie, durch Öffnung der Autowaschanlagen, durch Vermehrung von verkaufsoffenen Sonntagen ohne Notwendigkeit, Sinn und Bedeutung. Zu den Zehn Geboten gehört das Verbot der Lüge. Zu den Zehn Geboten gehört auch das sechste: „Du darfst nicht Ehe brechen.“ Und wenn, wie es in diesen Tagen in den Zeitungen zu lesen ist, in der Politik und anderen höheren Kreisen Seitensprünge als Ausdruck von Souveränität, Männlichkeit und persönlicher Freiheit als salonfähig betrachtet und nur dann in die Öffentlichkeit gezerrt werden, wenn damit einem Konkurrenten in seiner Karriere geschadet werden kann, dann ist das Verlogenheit und Pharisäismus. Wenn wir gegen Seitensprünge, gegen ein „zweites oder drittes Programm“ in Beziehungen und gegen Untreue in der Ehe sind, dann immer und überall, weil die Zehn Gebote als Wert betrachtet, sie gehalten und als Fundament eines geglückten Lebens betrachtet werden. Oder weil wir auch unserer bayerischen Verfassung entsprechen wollen, in der es heißt: „Ehe und Familie sind die natürliche und sittliche Grundlage der menschlichen Gemeinschaft und stehen unter dem besonderen Schutz des Staates“ (Artikel 124). Sozial bedeutet die Arbeitsplätze halten, Hartz IV vermeiden, Armut verhindern, kinderreiche Familien fördern und allen ein soziales Netz bei Notlagen bieten. Die politische Krise, die wir zur Zeit in Bayern erleben, ruft auf, sich darüber zu besinnen, was unserer Region Bayern Wert gibt und sie wertvoll macht – das ist das Christlich und Soziale. Unsere Politiker und alle, die Verantwortung tragen (Hartz, VW, Siemens, etc.), sind die ersten, die den Wert unserer Region vorbildlich leben und weitertragen müssen und die dafür zu sorgen haben, dass diese Werte überall hochgehalten werden. Die Region Bayern lebt von Werten und Tugenden. Besonders Politiker und alle Verantwortungsträger dürfen sich nicht nur im Mund führen, sondern müssen vorbildlich leben. So bleibt Bayern liebenswert und lebenswert. 4. Lassen Sie mich jetzt auf die „ländliche Region in Bayern“ kommen – Ihren speziellen Lebensmittelpunkt. Ich habe es schon bekannt und tue es hier wieder: Die ländliche Region ist für Bayern unabdingbar. Wir brauchen sie, wir müssen sie erhalten, wir müssen ihren Wert erkennen und nicht nur für die, die dort leben, sondern für ganz Bayern, ganz Deutschland, Europa und weltweit. Sie, die Landfrauen und Landmänner, alle die in der ländlichen Region leben, müssen das Land lieben, Sie müssen die Landwirtschaft lieben, Sie müssen den Boden lieben, den Wald, die Tiere, die Bäume, die frische Luft, die örtlichen Vereine, die Kulturdenkmäler, die zum ländlichen Raum gehören, d. h. die Kirchen, die Wegkreuze, die Kapellen und Marterln. Lebensmittelpunkt ist nur das und bleibt nur das, was ich als Wert erkenne, wo ich gerne lebe und diese Erkenntnis und diese Liebe in die Tat umsetze. Ich pflege das Land, ich halte den landwirtschaftlichen Betrieb hoch, ich mache in den Vereinen mit, ich engagiere mich in meiner Dorfgemeinschaft und in meiner Pfarrei. Es ist mein Lebensmittelpunkt, weil ich dort gerne bin, weil ich mich dort erhole, weil ich dort Kraft schöpfe und ich will diesen Lebensmittelpunkt für mich und für meine Nachfahren erhalten, weil er wertvoll ist. Ich bin auch bereit, für meine Region, die mein Lebensmittelpunkt ist, Opfer auf mich zu nehmen: nämlich, zu meiner Arbeitsstelle einige Kilometer zu fahren, den Kindern auch zuzumuten, dass sie für die Schule weitere Wege auf sich nehmen müssen und nicht alles mit Straßenbahn und U-Bahn zu erreichen ist. Ich halte meine Region und meinen Lebensmittelpunkt auch deshalb für wichtig, weil er anderen Regionen etwas zu schenken hat und auch für andere Regionen wichtig ist, z. B. für die Stadtregion und die Ballungszentren. Menschen dort haben manches einfacher: Einkaufen, Schule, Arbeitsplatz, Verkehrsmittel, kulturelle Angebote, aber sie entbehren dafür auch etliches: die Freiheit, den Raum, die Erfahrung der Natur, die Nachbarschaft, die Vereine, das ländliche, dörfliche Miteinander.Region und Regionen sind aufeinander angewiesen und bezogen. Ich schätze meine Region, erhalte sie und setze mich für sie ein: Nicht damit sie für alle Lebensmittelpunkt wird, aber damit sie auch ihren Beitrag zum Leben der anderen durch gesunde Lebensmittel, durch Erholungsmöglichkeiten, durch die Erfahrung von Wachsen und Gedeihen leistet. Die neidlose große Liebe zu meiner ländlichen Region ist die beste Lobbyarbeit für sie! 5. Der spezielle Beitrag der ländlichen Region für die anderen Regionen Bayerns Die Förderung des Landes und der Landbevölkerung ist sehr wichtig. Es darf nicht zugelassen werden, dass ganze Landstriche entvölkert werden und damit Kulturlandschaft zerfällt, wie z. B. derzeit im Frankenwald bei uns. Für die Bevölkerung einer Region ist ein gesunder Mix von Stadt und Land unabdingbar. Ich möchte nur einige Gründe dafür schlagwortartig nennen. 5.1 Für Erholung und Freizeit, für das Wahrnehmen von Natur und Umwelt ist das Land unabdingbar. Es wird aber nur für Freizeit, Erholung, Entspannung Raum geben und für die Erfahrung von Natur geeignet sein, wenn hinreichend Bevölkerung da ist, die das Land pflegt, bebaut, erhält und nutzbar macht. 5.2 Für gesundes Leben und gute Ernährung ist das Land wichtig. Gegen Gammelfleischskandale, genmanipulierte Nahrungsmittel im Handel, über deren Folgen und Gefahren für die Gesundheit wir kaum Bescheid wissen, ist das Land „in der Nähe“ die beste Wehr. Die langen Wege machen die Herkunft, Verarbeitung, Etikettierung unüberprüfbar. Nahrungsmittelproduktion vor Ort, direkte oder kundennahe Vermarktung verhindert die Verschleierung. Wir brauchen eine Regionalisierung, besonders in der Nahrungsmittelherstellung. Dazu ist die Förderung des Landes wichtig. 5.3 Das Land ist für die Erhaltung der Kultur von großer Wichtigkeit. Der Ursprung der Kultur war und ist die Landwirtschaftskultur. Ackerbau und Viehzucht sind Fundament und Ausgangspunkt aller Kulturen. Von der kulturellen Erschließung und Nutzung der Schöpfung gehen die vielfältigen Formen der Kultur in Musik, Literatur, Skulptur und Kunst hervor. Wenn das Fundament der Ackerbau- und der Viehzuchtkultur wegfällt, wird der Kultur der Boden entzogen. Land, Kunst und Kultur leben voneinander. Künstler, Schriftsteller, Architekten, Land und Landleben bilden oft eine Symbiose. 5.4 Ein weiterer wichtiger Faktor ist die „Bildung“, die zum Land dazugehört und auf dem Land erfolgt. Die Bildung des Körpers, des Geistes und der Seele sowie der Beziehungen zu Gott und zum Menschen gedeihen auf dem Land und brauchen das Land. Naturerfahrung, Erfahrung des eigenen Körpers und der Seele in der Natur bilden die Grundlage für die Bildung. 5.5 Letztlich und doch nicht zuletzt ist das Land für die „religiöse Bildung“ wichtig. Religiöse Erfahrung ist bedingt durch Naturerfahrung, Weite, Ruhe und Erholung, die der ländliche Raum schenkt. 6. Sehr verehrte Landfrauen! „Lebensmittelpunkt – Region“! Wir müssen unsere ländliche Region lieben, achten, wertschätzen, uns für sie einsetzen, damit sie für mich und meine Nachfahren Lebensmittelpunkt ist und bleibt und für andere zum guten, gesunden und zufriedenen Leben beiträgt. Dies kann in dem Wort „global denken – regional handeln“ ausgedrückt werden. 7. Zum Schluss komme ich noch einmal auf die Politik, aber in einem anderen Zusammenhang zurück. Politik in einer Region, z. B. in Bayern, aber auch in Deutschland und auch in Europa, muss dafür sorgen, dass die verschiedenen Regionen leben und existieren, ihre Prägung bewahren und Lebensmittelpunkt für die dort wohnenden sind. Zugleich muss Politik dazu beitragen, dass die Regionen sich füreinander öffnen und füreinander da sein können. Regionen müssen Einheit in der Verschiedenheit bilden und sich so gegenseitig befruchten zum Wohle aller. Dafür muss die Politik sich interessieren, Weichen stellen und auch die finanziellen Mittel zur Verfügung stellen. Für die ländlichen Regionen Bayerns kann und muss von der Politik mehr getan werden! Ich danke Ihnen. |