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Christa Pilger-Feiler, München |
Menschliche Nähe kann heilen. |
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Eine Frau hat es ihrem Tagebuch anvertraut: „Ich frage mich: »Wer freut sich denn, dass ich leben?« Auf weite Strecken meines Lebens finde ich nur die Antwort: Keiner. Am wenigsten ich selbst.“ Weil sie unter dem Eindruck lebt: Niemand würde mich vermissen; ich bin in dieser Welt völlig fehl am Platz!“ gerät ihr Leben immer tiefer in die Krise. Sie wird immer scheuer. Sie zieht sich immer mehr zurück. Für gewöhnlich gehören solche Phasen zum Leben: Zeiten, in denen mich Selbstzweifel plagen; aber nach einer gewissen Zeit sollte jeder wieder „festen Boden unter die Füße“ bekommen. Die Wende für jene Frau kam, als sie einen Mann kennen und die beiden einander lieben lernten. Damit hat auch sie ihren Platz im Leben gefunden und kann im Bewusstsein leben: „Es ist gut, dass es dich gibt!“ Es ist der tiefste Wunsch des Menschen, willkommen zu sein. Das ist mehr als das Wissen: ich werde erwartet, ich habe ein Zuhause; auch für mich ist gesorgt. Zu spüren: „Es ist gut, dass es dich gibt!“ das ist Freundschaft. Andere freuen sich, mich zu sehen. In ihrer Nähe bin ich geborgen. Für sie darf auch ich sorgen. Ich werde gebraucht. Diese Erfahrung ist wichtiger, als mächtig oder reich zu sein. Auch der Reiche und der Mächtige sehnt sich nach Liebe. Er möchte gern hören: „Wir haben dich gern bei uns; wir kommen gern zu dir! Wir denken an dich; und nicht vor allem an dein Geld oder an deinen Einfluss, von dem wir hin und wieder profitieren … Nun hat sich „einer“ auf den Weg zu uns Menschen gemacht, um ihnen genau das zu sagen und zu zeigen: „Es ist gut, dass es dich gibt. Du bist willkommen!“ Er hat es nicht nötig. sich anzubiedern; er schenkt uns Menschen seine Liebe: einfach so. Er teilt mit den Menschen nicht nur die Festtage; er zeigt sich ihnen auch solidarisch in der Not ihres Lebens. Sie können es sich denken, von wem ich spreche: Gott selbst ist zu uns gekommen. Er hat keine Galavorstellung gegeben, wie jetzt z.B. in Berlin zur Deutschlandpremiere des Films „Sieben Leben“. Er hat sich nicht gekonnt in Szene gesetzt, wie der Hauptdarsteller Will Smith … Von Anfang an ist er dem Glanz und Glamour der Welt aus dem Weg gegangen. Er kommt unbemerkt in seiner Geburt im Stall von Betlehem; er lässt sich sagen: Du bist hier nicht willkommen; wir haben für dich keinen Platz. Bei seinem ersten Auftreten, bei der Taufe im Jordan durch Johannes, gibt es keinen roten Teppich und keine Fanfaren. Mitten unter den Menschen steht er; unerkannt. Er stellt sich in eine Reihe mit denen, die sich vorgenommen haben: es muss sich etwas ändern in unserem Leben, wir müssen unser Leben mehr auf Gott ausrichten, müssen rücksichtsvoller, hilfsbereiter mit einander umgehen … Jesus lässt sie spüren: Gerade ihr auf der Schattenseite des Lebens, ihr Ausgegrenzten und Verachteten, ihr auf der Seite der Verlierer, über die andere gern die Nase rümpfen: auch ihr seid mir willkommen! Er sagt ihnen: „Ich glaube an das Gute in dir!“ Damit eckt Jesus natürlich bei den „Frommen“ an. Denn normal fällt es uns Menschen schwer, auch jene anzunehmen, die unser Lebenskonzept nicht mit uns teilen. Wir ziehen gerne die Grenze: die gehören zum Kreis unserer Freunde; den anderen gehen wir aus dem Weg; der/die hat unsere Liebe „verdient“; mit anderen wollen wir nichts zu tun haben. Es geht schwer in unsere Köpfe: Gott ist ganz anders! Er liebt uns ohne unser Zutun und ohne unser Verdienst; er sagt uns: ich habe große Pläne mit dir: ich brauche dich! Wie gut, dass es Jesus gibt. Er setzt neue Akzente. Er ist Gottes Botschafter mit seiner „guten Nachricht“. Leider können wir normal Gottes Liebe nicht so unmittelbar erfahren, wie er; jedenfalls fehlt den meisten das Gespür dafür. Also sind wir darauf angewiesen, dass uns andere Menschen die Sicherheit geben: „Es ist gut, dass es dich gibt!“ Allerdings wurden wir am Beginn unseres Lebens (wahrscheinlich) getauft. Das ist für uns schon die sichere Zusage: Gott hat zu uns ja gesagt; er nimmt uns an als seine geliebten Töchter und Söhne. Er macht uns gleichzeitig aber auch zu Botschaftern und Botschafterinnen seiner Liebe. Mutter Teresa hat sich ein Leben lang darum bemüht, die Ärmsten der Armen um Gottes willen spüren zu lassen: Du bist willkommen! Da Gott dich liebt, hast du auch alle Liebe der Menschen verdient. Sie wollte dem schlimmsten Leid ein Ende machen: dass ein Mensch ohne Liebe leben muss. In unserer Pfarrei haben die vergangnen Tage auch siebzig Sternsinger einen Beitrag genau dafür geleistet. Dreizehntausendfünfhundert Euro haben sie für einen Schulneubau in Indien gesammelt, und einen respektablen Beitrag geleistet, dass Menschen ihren Platz in der Welt und im Leben finden. Vielleicht haben auch wir selbst bald eine Gelegenheit, jemandem in unserer Nähe zu zeigen: Du bist von Herzen willkommen! Vielleicht können wir im Lauf der Woche auch ein Zeichen setzen, dass ein Mensch spürt: Es ist gut, dass es dich gibt! |