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Donnerstag 29.07.2021, 02:33 Uhr
(c) 2021 Veit Dennert

Predigten

Übersicht

Lesejahr A 2016/12 bis 2017/11

Predigt - Homilie am 24. So. A 17.9.2017 In der Gebetsstätte Heroldsbach

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 Die Liebe und Geduld besiegen den Zorn
1. Mit Recht zählt der Zorn zu den sieben Hauptsünden
1.1 Zornige und zum Zorn reizende Menschen

Zornige Menschen sind gefährliche Menschen. Gefährlich sind aber  auch Menschen, die andere durch aggressives oder gemeines Verhalten zum Zorn reizen.
Im Wahlkampf erleben wir, dass manche politische Gruppen die Wahlveranstaltungen des politischen Gegners massiv stören, dessen Kandidaten beleidigen, sie tätlich angreifen indem man sie mit Tomaten bewirft. Hass und Gemeinheit aber vertragen sich nicht mit christlicher und demokratischer Gesinnung.
Verletzen, ja Töten mit Worten ist in unserer Welt weit verbreitet. Oft folgt dem heftigen Zorn eines Menschen der Totschlag und andere Verbrechen. Deshalb gehören Zorn und das Reizen zum Zorn zu den Wurzelsünden. Sie sind die Ursachen vieler anderer Sünden. "Denn im Zorn tut der Mensch nicht, das was vor Gott recht ist"[1] gibt der Apostel Jakobus zu bedenken.
1.2 Zorn und Rache
Zorn verführt dazu, sich zu rächen.1 Wer sich rächt, an dem rächt sich der Herr; dessen Sünden behält er im Gedächtnis.“[2]
Anhaltender Zorn zerstört die Kommunikation und die Liebe. Das Verharren in Groll und Zorn wird abscheuliche Sünde genannt.[3] Unter zornigen Menschen leben zu müssen, ist die Hölle. Die heutigen Bibeltexte sprechen aber auch
1.3 Vom Zorn Gottes
Davon ist im Alten Testament oft die Rede. Dabei ist wichtig, dass Zorn nicht zum Wesen Gottes selbst gehört sondern viel mehr seine Heiligkeit. Sein Zorn entbrennt, wenn die Heiligkeit Gottes durch menschliches Reden und Tun infrage gestellt wird. Der Zorn Gottes ist ein wirksames Mittel um auszudrücken, dass Gott - in dem selbst nichts Böses ist - sich voller Energie mit dem Bösen auseinandersetzt.
2. Es gibt verschiedene Ursachen für den Zorn
2.1 Ursachen für den Zorn Gottes

Gott hat mit Israel am Sinai einen Bund geschlossen. Er hat sich mit seiner Liebe und seinem Ansehen an dieses Volk gebunden.
Wird die durch Gottes Recht geschützte Sphäre des Nächsten verletzt, werden seine Gebote missachtet, seine exklusive Verehrung durch Gleichgültigkeit oder Götzendienst verraten, dann trifft Israel Gottes Zorn.[4] „Sie werden nicht eingehen in das Land meiner Ruhe“ sagt uns Gott jeden Morgen im Eingangspsalm des Breviers.[5] Der Mensch verliert die ewige Seligkeit.
Durch Jesus Christus hat Gott mit allen - die an ihn als Erlöser glauben - den neuen Bund geschlossen. In seinem Brief an die Römer zeigt Paulus, dass jeder Mensch sich hüten soll, den Zorn Gottes herauszufordern. „Der Zorn Gottes wird vom Himmel herab offenbart wieder alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, die die Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederhalten.“[6]
„Wir wollen uns von der Liebe geleitet, an die Wahrheit halten und in allem wachsen, bis wir ihn erreicht haben. Er, Christus, ist das Haupt.“[7]
2.2 Warnung vor mangelnder Umkehrbereitschaft des Herzens
Durch Starrsinn und mangelnder Umkehrbereitschaft sagt Paulus den Römern P„sammelst du Zorn gegen dich für den Tag des Zorns, den Tag der Offenbarung von Gottes gerechtem Gericht.“[8]
Wenn die Menschen sich der Liebe und der Barmherzigkeit verweigern, sondern in Zorn geraten, dem Hass verfallen, nicht mehr auf Gott hören und ihn nicht mehr brauchen und wollen überlässt sie Gott ihrem verstocktem Herzen und sie handeln nach eigenen Plänen.[9] In welche Katastrophen das führt, hat uns das 20. Jht. In schrecklicher Weise vor Augen geführt.
Aber es wird auch offenbar, dass  belohnt werden, „die Propheten und die Heiligen und alle, die deinen Namen fürchten, die Kleinen und die Großen“, und bestraft werden, „alle die die Erde verderben.“[10]
2.3 Der zornige Mensch
2.3.1 Es gibt ein zum Zorn neigendes Temperament

Herrenmenschen, sie sich selbst für unfehlbar halten, die eigene Fehler nicht zugeben, die machtbesessen sind, lassen sich schnell zum Zorn hinreißen. Im Fränkischen sagt man von einem solchen Menschen, er habe "a klans Häfela", das schnell überläuft.
Darum mahnt der Epheserbrief: "Lasst euch durch den Zorn nicht zur Sünde hinreißen! Die Sonne soll über eurem Zorn nicht untergehen." [11]
2.3.2 Hildegard von Bingen – Nur die Geduld kann helfen
Hildegard – deren Gedenktag heute ist – beschreibt 35 Tugenden und 35 Laster wobei das sechste Laster der Zorn ist. Er sei mit der Feigheit verwandt. Sie schreit nach Schmach, die wieder das Feuer des Zornes entzündet. „Der Zorn erhebt sich deshalb im Menschen, weil der Mensch um das Böse weiß.“
Der Zorn sei in seinem Ansatz „mehr die Krankheit des Wutanfalles als die Gesundheit gelassener Ruhe.“
Der zornige Mensch nehme weder Rücksicht auf sich selbst noch auf seine Mitmenschen.
“Er wirft, als ob er blind wäre, die Gerechtigkeit über den Haufen und bricht dem Sturm seines Wütens die Bahn.“
 „Seine Arme gleichen den Armen eines Menschen, weil die tyrannische Gewalt des Zornes alle Gottesfurcht beiseite schiebt, um sich mit der aus dem Wissen um das Böse hervorwachsenden Macht zu verbünden.“[12]
Der Zorn des Menschen ist also dämonischer Herkunft.
„Die göttliche Geduld aber macht dem Zorn wegen seiner trotzigen Raserei Vorwürfe …“ Von dieser göttlichen Geduld singt heute der Antwortgesang nach der ersten Lesung. „Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat: - der dir all deine Schuld vergibt und all deine Gebrechen heilt, der dein Leben vor dem Untergang rettet und dich mit Huld und Erbarmen krönt. - Er wird nicht immer zürnen, nicht ewig im Groll verharren. Er handelt an uns nicht nach unsern Sünden und vergilt uns nicht nach unsrer Schuld
3. Die Liebe Gottes kann den Zorn besiegen.
Sie wird in der Taufe durch den Heiligen Geist in unsere Herzen ausgegossen. Täglich sollen wir um diese Gabe Gottes bitten. Am Anfang des Rosenkranzgebetes tun wir das immer.
3.1 Jesus geht es um das menschliche Miteinander
genauer noch: das Verhalten der Christen untereinander. Petrus fragt ausdrücklich danach, wie oft er seinem "Bruder" (oder seiner Schwester) verzeihen muss. Gegenüber dem pharisäischen Maß, das nur ein dreimaliges Verzeihen vorschreibt, ist Petrus da schon großzügiger. Doch  Jesus übersteigt auch dieses Maß bei Weitem »Nicht siebenmal, sondern siebenundsiebzigmal«, Damit führt er jedes Zählen ad absurdum.
Die "Moral von der Geschichte" im Evangelium ist so einfach wie ungeheuerlich:
3.2 Wenn Gott euch so unvorstellbar viel vergeben hat, was zerstreitet ihr euch wegen solcher Bagatellen?
Als Christ erkenne ich, dass mein Leben und mein Glaube Geschenk Gottes sind. Ihm also schulde ich alles. Die in Euro umgerechnete Riesensumme von 30 Millionen macht es deutlich. Nie und nimmer kann ich das meinem Schöpfer und Erlöser Geschuldete erstatten.
Ich bin also so wie der Diener des Königs ganz auf das Erbarmen und die Vergebung Gottes angewiesen. Wohlgemerkt:
3.3 Vergeben heißt nicht, begangenes Unrecht stillschweigend unter den Teppich zu kehren
Das hat nicht zuletzt das Evangelium des vorigen Sonntags über die Ermahnung innerhalb der Gemeinde gezeigt. Im Gegenteil -  Vergebung braucht das Bekenntnis! In der Gemeinschaft müssen die wunden Punkte aufgedeckt werden, denn nur was aufgedeckt wird, kann auch geheilt werden.
3.4 Natürlich schulden wir und unsere Mitmenschen einander auch viel, vor allem die Liebe
Darum mahnt der Apostel "Bleibt niemand etwas schuldig; nur die Liebe schuldet ihr einander immer. Wer den andern liebt, hat das Gesetz erfüllt." [13]  
Lieben können wir nie genug. "Das Maß der Liebe ist die Liebe ohne Maß", schrieb Franz von Sales. Und  Paulus mahnt "Die Liebe lässt sich nicht zum Zorn reizen. Sie trägt das Böse nicht nach.“[14]
3. 5 Wenn ich mich wegen des mir angetanen Unrechts nicht räche, dann wird mir das Erbarmen und die Vergebung Gottes zuteil
Es wäre Selbstbetrug, würde ich von Gott Heilung erbitten, aber in meinem Zorn gegen den anderen verharren. Vielmehr ermutigt die1. Lesung: "Vergib deinem Nächsten das Unrecht, dann werden dir, wenn du betest, auch deine Sünden vergeben."[15]
Wir alle stehen miteinander im Dienst des einen Gottes - der die ganze Schuld vergibt - der jedem Erbarmen schenkt - der ihn darum bittet.[16]
 Sein Zorn trifft nur jene, die selber nicht vergeben. Wenn uns dies schwer fällt, sollten wir an das Wort des im Evangelium sprechenden Herrn denken
„Hättest nicht auch du mit jenem - der gemeinsam mit dir in meinem Dienst steht - Erbarmen haben müssen, so wie ich mit dir Erbarmen hatte?“[17]
4 Wie aber den Zorn in mir besiegen?
Der Kapuziner Anton Rotzetter macht folgenden Vorschlag: „Den Zorn ganz unten in der Tiefe will ich hochkommen  lassen. Es ist mein Zorn. Ich lege ihn in deine Hände, Gott. Mach ihn zu deinem Zorn und zeige mir, wie ich damit umgehen kann.
Die Wut ganz innen in der Mitte will ich zu mir nehmen. Es ist meine Wut. Ich lege sie in dein Herz, Gott. Nimm sie an als deine Wut und zeige mir, was ich damit tun kann.
Den Hass ganz hinten im Schrank will ich hervornehmen. Es ist mein Hass. Ich lege ihn in deine Liebe, Gott. Nimm  ihn an und zeige mir, wie ich lieben kann.“[18]
Was also besiegt den Zorn, die Wut und den Hass in uns? Die bewusst von Gott im Sakrament der Versöhnung und die im Gebet der Reue empfangene Vergebung, das Geborgensein in der Liebe des Gekreuzigten und Auferstandenen[19].
Wenn wir die in Jesus geschenkte Liebe Gottes annehmen, werden wir zur Versöhnung befreit und damit vom Zorn Gottes.
Die Liebe und die Geduld besiegen den Zorn.

[1] Jak 1,20
[2] Sir 28,1
[3] Sir 27,30
[4] Ex 20.5; Ez 5,13f.
[5] Ps 95
[6] Röm 1,18
[7] Eph 4,15
[8] Röm 2,5
[9] Ps 81,13
[10] Offb 11,18
[11] Eph 4,26
[12] Heilsame Schöpfung – Die natürliche Wirkkraft der Dinge, Hildegard von Bingen Werke, Beuroner Kunstverlag, 2012
[13] Röm 13,8
[14] 1 Kor 13,5 b
[15] Sir 28,2
[16] vgl Antwortgesang Ps 103
[17] Mt 18,33
[18] in: CG 1990/44/361
[19] Röm 14,8


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