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Lesejahr 2013 (C)

Homilie am Fest der Erscheinung des Herrn zu Jes 60,1-6 in der Sonntagabendmesse in St. Michael

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Maria mit Jesus und die Weisen aus dem Morgenland in St. Michael Neunkirchen um 1360
Maria mit Jesus und die Weisen aus dem Morgenland in St. Michael Neunkirchen um 1360
Erscheinung des Herrn - Das Licht siegt über die Finsternis

1 Sehnsucht nach Licht

  • In der dunklen Jahreszeit wächst die Sehnsucht nach Licht. Nach trüben kurzen Tagen und langen Nächten atmen wir auf, wenn die Sonne scheint. Viele Bundesbürger haben Weihnachten auf den Kanarischen Inseln oder in anderen fernen Urlaubsregionen verbracht, die einen um dem Trubel der Festtage zu entfliehen, die anderen um das Licht und die Wärme dort zu genießen.
  • Es gibt noch andere Dunkelheiten, die sich auf das Leben legen. Mitmenschen mit schweren Krankheiten oder Depressionen. Menschen in Syrien und in mehreren Ländern Afrikas leiden unter Krieg und Terror. Menschen in den ärmsten Regionen der Erde, haben nicht das Nötigste an Nahrung, Kleidung und Medizin.
  • Alles Leben braucht Licht um zu gedeihen. Leib und Seele brauchen Licht, damit es ihnen gut geht. Kinder brauchen das Licht der Liebe, das ihnen die Eltern und Großeltern geben. Die Alleinstehenden brauchen das Licht der Aufmerksamkeit ihrer Mitmenschen, damit sie nicht in der Einsamkeit versinken.
2 Aus dem Dunkel zum Licht
  • Der Prophet Jesaja klagt "Denn siehe Finsternis bedeckt die Erde und Dunkel die Völker." [1] 70 Jahre nach der Zerstörung Jerusalems durch die Truppen des assyrischen Königs - als Gefangene und Sklaven nach Babylon verschleppt, schon in der 3. Generation fern der Heimat, ohne den geistlichen Mittelpunkt des Tempels - leben viele Israeliten in solcher Dunkelheit. Sie drückt den Geist und die Seele nieder.
  • Trotz dieser Dunkelheit wenden sie sich Gott zu. Durch seinen Propheten ermutigt sie Gott: "Auf werde licht, denn es kommt dein Licht, und die Herrlichkeit des Herrn leuchtet auf über dir."[2]
  • Israel soll immer daran denken, die erste Leben spendende Gabe Gottes an seine Schöpfung ist das Licht. "Gott sprach: Es werde Licht. Und es wurde Licht. Gott sah, dass das Licht gut war." [3] Das Licht kommt aus ihm. Es leuchtet in Jesus Christus voll auf, der spricht: "Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern wird das Licht des Lebens haben."[4] Johannes verkündet, was er von Jesus selber gehört hat: "Gott ist Licht und keine Finsternis ist in ihm."[5]
3 Es erfüllt sich was Jesaja prophetisch schaut
 „Über dir geht leuchtend der Herr auf, seine Herrlichkeit erscheint über dir."[6]
Dies geschieht auf eine dreifache Weise: Einmal durch die Heimkehr der Verbannten nach Jerusalem, zum anderen durch die dem Jesuskind huldigenden sternkundigen Weisen und zum dritten durch Jesus Christus selbst, dem Messias und Sohn Gottes.
Die Prophetie des Jesaja erfüllt sich vorläufig
3.1 Durch die Heimkehr der Überlebenden aus Babylon
  • Nach dunklen Jahren des babylonischen Exils kann der Rest des Volkes Israel wieder Hoffnung haben. Gott ist da, er holt sein Volk heim. Dieses Aufgehen des Lichtes Gottes über Israel lässt die übrige Welt noch im Dunkel. Die Folge wird sein, Völker und Könige wenden sich dem göttlichen Licht zu, das in Israel aufstrahlt.
  • Gerade in der Zeit um Christi Geburt war diese Bewegung besonders stark zu spüren. "Blick auf und schau umher: Sie alle versammeln sich und kommen zu Dir."[7]
Für diese Bewegung stehen besonders
3.2 Die Weisen aus dem Osten
  • Durch sie erfüllt sich, was der Psalm 72 in prophetischer Sprache verkündet: "Die Könige von Tarschisch und von den Inseln bringen Geschenke, die Könige von Saba und Seba kommen mit Gaben. Alle Könige müssen ihm huldigen, alle Völker ihm dienen."[8]
  • Es ist eine Tatsache, dass zur Zeit Jesu viele Gott suchende Heiden nach Jerusalem gekommen sind, um den Gott Israels anzubeten. Zahlreiche Nichtjuden haben den Glauben Israels angenommen. Man nannte sie Proselyten, die "Hinzugekommenen". Sternkundige kommen nach Jerusalem, um dem neugeborenen König der Juden mit Geschenken zu huldigen.
  •  Sie kommen zum Messiaskind in Bethlehem über den Umweg Jerusalem. Die Schriftgelehrten verweisen sie auf Bethlehem, so steht es beim Propheten Micha.[9]
Die Prophetie des Jesaja erfüllt sich voll und ganz
3.3 In Jesu Geburt, dem Messias Gottes, seinem Mensch gewordenen Sohn
  • Ihn preist Simeon acht Tage nach seiner Geburt bei der Beschneidung und Namensgebung im Tempel als "ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel."[10]
  • Die Lesung aus dem Epheserbrief betont, Gott habe durch seinen Geist den Aposteln und Propheten geoffenbart "dass nämlich die Heiden Miterben sind, zu demselben Leib gehören und an derselben Verheißung in Christus Jesus teilhaben durch das Evangelium."[11]
  • Sich selbst offenbarend spricht Jesus "Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern wird das Licht des Lebens haben."[12]
  • Jeder, der an Jesus glaubt, bekommt Anteil an seiner lichtvollen Existenz, "Ich bin das Licht, das in die Welt gekommen ist, damit jeder, der an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibt."[13]
  • Wie die Weisen werden wir deshalb mit dem Reichtum unseren Lebens und unserer Fähigkeiten zu Jesus kommen und ihn anbeten. "Herr, für dich will ich leben. Für dich will ich meine Arbeit tun. Deine Liebe will ich durch mein Leben bezeugen."
  • An den Anbetenden wird Gottes Zusage wahr, die Paulus den Christen in Korinth verkündet: "Denn Gott, der sprach: Aus Finsternis soll Licht aufleuchten!, er ist in unseren Herzen aufgeleuchtet, damit wir erleuchtet werden zur Erkenntnis des göttlichen Glanzes auf dem Antlitz Christi."[14]
Bis Jesus Christus in Herrlichkeit wiederkommt, geht
3.4 Der Kampf der Finsternis gegen das Licht
  • Das mussten schon die Weisen aus dem Morgenland erleben. "im Traum wurde ihnen daher geboten, nicht zu Herodes zurückzukehren, daher zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land." [15]Also nicht zurück nach Jerusalem, wo Herodes dem Messiaskind nach dem Leben trachtet, wo ihn die Seinen nicht aufnahmen, ihn der als das wahre Licht in die Welt kam, das jeden Menschen erleuchtet.[16] In Jerusalem lieferten sie ihn schließlich der römischen Besatzungsmacht zur Hinrichtung aus.[17]
  • Auch die Apostel sind schließlich auf anderen Wegen in die Welt hinausgegangen und haben Jesus, den Gekreuzigten und Auferstandenen als den wahren Tempel Gottes verkündet in dem und durch den Gott überall auf Erden im Geist und in der Wahrheit angebetet wird.
  • Die Finsternis versucht immer wieder dieses Licht, das Jesus Christus der Sohn Gottes ist, auszulöschen. Aber gerade dadurch zieht sie das Gericht Gottes auf sich. "Das Licht kam in die Welt, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Taten waren böse."[18] Finsternis breitet sich überall dort aus, wo Gott geleugnet und das Böse getan wird.
Jesu Auferstehung und Himmelfahrt offenbaren uns den
 3.5  Sieg des Lichtes
  • Jeder von uns kann schnell in den Einflussbereich der Finsternis geraten. Darum mahnt Jesus uns: "Achtet darauf, dass in dir nicht Finsternis statt Licht ist."[19] Der Mahnung voraus geht die Rede vom Auge das dem Körper Licht gibt. Es ist also wichtig, dass wir mit dem inneren Auge des Herzens und der Geistseele auf Jesus schauen und die freundschaftliche Liebe zu ihm pflegen. So wie wir es im Lied singen
"Ich sehe dich mit Freunden an
und kann mich nicht satt sehen;
und weil ich nun nichts weiter kann
bleib ich anbetend stehen
O dass mein Sinn ein Abgrund wär
und meine Seel ein weites Meer
dass ich dich möchte fassen."[20]

  • Es sind der Glaube und die Anbetung, die alle Finsternis vertreiben. Jesus, der Messias und Sohn Gottes ermutigt uns mit den Worten: "Ich bin das Licht, das in die Welt gekommen ist, damit jeder, der an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibt."[21]
  • Wenn also die Mächte der Finsternis, der Sünde und des Unglaubens gegen uns anbranden und uns ängstigen, stärkt uns der heilige Johannes in seinem 1.Brief mit der Aussage, dass das Neue Gebot, das in Christus und in den Christen verwirklicht ist, uns stark macht. Es ist die Liebe seiner Jünger zueinander, so wie er sie geliebt hat. Diese sich selbst hintanstellende, opferbereite Liebe ist das Neue des christlichen Gebotes. Wo es verwirklicht wird, sind wir aus dem Tode zum Leben hinübergeschritten.[22]
Wir dürfen dann mit dem heiligen Johannes in dem Bewusstsein leben, "die Finsternis geht vorüber und schon leuchtet das wahre Licht." [23]

[1] Jes 60,2a
[2] Jes 60,1
[3] Gen 1,3f.
[4] Joh 8,12
[5] 1 Joh 1,5
[6] Jes 60,1b
[7] Jes 60,4
[8] Ps 72,10
[9] Micha 5,1
[10] Lk 2,32
[11] Eph 3,6
[12] Joh 8,12
[13] joh 12,46
[14] 2 Kor 4,6
[15] Mt 2,12
[16] vgl Joh 1,11f.
[17] Joh 18,35
[18] Joh 3,19
[19] Lk 11,35
[20] Gl 144/4
[21] Joh 12,46
[22] 1 Joh 3,14
[23] 1 Joh 2,8

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