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Predigten

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Lesejahr A 2016/12 bis 2017/11

Predigt - Homilie am 11./12.3.2017 in Kleinsendelbach St. Heinrich und ULF in Dormitz

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Gott ruft und führt [1]
1. Wo sind wir zuhause?
  • Wenn wir in Nachtträumen von Zuhause träumen, dann bewegen wir uns nicht selten im Haus unserer Kindheit, obwohl dieses Haus schon längst nicht mehr steht, einem Neubau gewichen oder von fremden Menschen bewohnt ist. Unsere Seele sehnt sich noch immer nach dem ersten Zuhause, nach der ersten Geborgenheit.
  • Hat einer einen Menschen gefunden, der ihn liebt, kann er sagen bei dir bin ich Zuhause, fühle ich mich geborgen. Und doch fürchten wir insgeheim den Tag, da uns dieser Mensch durch Lebensumstände oder Tod genommen werden kann.
  • In ihren Hymnen an die Kirche drückt es Gertrud von Le Fort so aus: "Denn alle Nähe der Menschen ist wie Blumen, die auf Grüften welken, und aller Trost ist wie eine Stimme von außen.”
  • Dann aber auf die Kirche blickend, sie als Werkzeug Gottes verstehend, sagt sie freudig: "Du aber bist wie eine Stimme mitten in der Seele." Die Kirche als Gemeinschaft der Kinder Gottes ist das Haus in dem uns Gott in die Arme schließt. Die Mächte des Bösen können sie nicht zerstören.
2. Herausgerissen aus Sicherheit und Geborgenheit
  • Viele von uns sind schon einmal - vielleicht schon mehrere Male - aus der eigenen Sicherheit, aus Geborgenheit und Heimat herausgerissen worden. Jeder muß täglich damit rechnen herausgerissen zu werden.
  • Die entscheidende Frage wird immer sein, ob ich Gott in solchem Geschehen entdecken kann. Wenn ich auf meinen eigenen Lebensweg blicke, spüre ich, daß Gott mich führte, oft auch dorthin wohin ich zunächst nicht wollte.
3. Abraham hörte den Ruf und ging
3.1 Das Hören und Gehorchens Abrahams
  • Gerne würden wir wissen, wie Abraham das an ihn gerichtete Wort gehört, bei welcher Gelegenheit er es vernommen hat: etwa in einem Traumgesicht, durch ein Wunderzeichen, durch das Wort eines Menschen, durch eine geheimnisvolle Stimme, oder mitten in seiner Seele?
  • Der Text schweigt sich darüber aus. Er sagt nüchtern: „Der Herr sprach zu Abraham, ....und Abraham gehorchte.“ In jener alten Zeit waren die Menschen davon überzeugt, dass zwischen Himmel und Erde, Diesseits und Jenseits nur ein dünner Vorhang ist. Es war ihnen selbstverständlich, dass Gott zu den Menschen sprach und daß das Sprechen Gottes von den Menschen vernommen werden kann.
3.2 Stille als Voraussetzung für das Hören
  • Gott spricht auch heute zu dir und zu mir.  Nur hören wir oft nicht mehr seine leise Stimme, weil heute so viele Stimmen auf uns einreden und wir von so vielen Dingen besetzt sind, oder uns selber zu wichtig nehmen, von Gott erwarten, daß er sich nach uns und unseren Plänen richtet. Obwohl wir im Vaterunser jedesmal beten: „Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.“
  • Beim Priester Einkehrtag am vergangenen Mittwoch sagte der Spiritual des Priesterseminars Eichstätt zu uns: „Das Normale ist heute die Diktatur des Lärms. Er ist die Zerstörung des geistlichen Lebens. Ein Stück Stille ist lebensnotwendig. Die Stille aushalten bringt mich in die Gegenwart Gottes. Ohne Stille gibt es kein geistliches Leben. Kämpfen sie um die kleinen Räume der Stille. Meiden sie eine Dauerberieselung durch die Medien. Hüten sie sich vor einer Versklavung durch Handy und Internet.
  • Ein weiterer Grund für die Zurückhaltung im biblischen Text ist: Den damaligen Menschen war es
3.3 nicht wichtig was der Mensch empfindet, sondern was Gott sagt
  • Der Augenblick, da der Mensch die Offenbarung empfängt, tritt gegenüber der Geschichte zurück, die diese Offenbarung auslöst. Das ist auch bei uns so.
  • Wer fragt schon bei einem Priester- oder Ordensjubiläum, was in einem jungen Menschen vor sich ging, als er sich auf das Wagnis einließ, Priester oder Ordenschrist zu werden. Oder bei einer goldenen Hochzeit, warum gerade diese beiden Menschen sich gefunden und ja zu einander gesagt haben und einander treu waren. Die wirklichkeit spricht für sich.
Eines zeigen alle drei Lesungen heute deutlich:
3.4 Gott ruft und führt.  
  • Daß das so ist, habe ich als junger Mensch erfahren und erfahre es immer noch. Wenn wir vor Gott und unserem Herrn Jesus Christus still werden, solange wir Hörende sind, um Gehorchende zu werden, wird diese Erfahrung uns begleiten.
  • Paulus spricht in der 2.Lesung davon, dass Gott uns mit heiligem Ruf gerufen hat. Dieses Gerufenwerden haben wir uns nicht verdient. Er ist vielmehr Gottes souveräner, ewiger Entschluss, Zeichen seiner Gnade, seiner liebenden Nähe, die uns um Christi willen zuteil wird.
  • Deshalb bleiben wir auf dem Weg, auf den der Herr uns gerufen hat, und halten durch, wenn er beschwerlich wird und wir um des Evangeliums willen leiden müssen.
4. Abraham empfängt in der Offenbarung kein neues Wissen, sondern eine Weisung
  • Er soll sich auf den Weg machen in ein Land, das Gott Ihm zeigen wird. Diese Weisung ist für einen Nomaden nichts Neues, sondern das tägliche Brot. Er muß immer wieder Ausschau halten nach neuen Weideplätzen.
  • Eine Zumutung für Abraham stellt jedoch das Fortziehen aus seinem Vaterhaus dar, das soviel wie Sippe  bedeutet. Die Sippe oder der Klan bot den Nomaden den einzigen wirksamen Schutz vor Räuberhorden und gierigen Stadtkönigen.
  • Wenn Abraham fortzieht aus seiner Sippe, wird er nach menschlichem Ermessen schutzlos. Gott selber übernimmt den Schutz Ahrahams. Gott wird zu seinem Gefährten auf seinem Lebensweg. Er steht von jetzt an unter Gottes Schutz und Segen: „Ich will alle segnen, die dich segnen, wer dich verwünscht, den will ich verfluchen.“ Gott steht hinter Abraham, geht schützend vor ihm her und führt ihn.
  •          Freilich ist diese Botschaft für taube Ohren und verschlossene Herzen nicht zu hören. Sie werden ein solches Vertrauen und solchen Gehorsam für eine Verrücktheit halten.
  • Es kommt darauf an, dass wir uns mit Zuversicht und Vertrauen auf Gott als Freund und Weggefährten einlassen.
  • Ich durfte in den 58 Jahren meines Priesterseins immer wieder erfahren, dass ich von ihm geführt und gehalten bin. Voraussetzung dafür war, daß ich mich dorthin führen ließ, wohin ich zunächst nicht gehen wollte, daß ich meine Pläne von Ihm umstürzen ließ.
5. Konsequenzen und Auswirkungen des Glaubensgehorsams
Liebe Schwestern und Brüder! Es gibt nichts Wichtigeres in unserem Leben, als
5.1 sich von Gott führen und den Lebensweg von ihm bestimmen lassen.
  • Auch wenn dies zunächst in unsicheres Neuland führt und der Sinn nur unklar, schemenhaft vor uns liegt. Auch das Ziel Abrahams lag in der Geschichte und jenseits seiner Lebenszeit.
  • Der Verfasser der heutigen 1. Lesung wußte von dieser Geschichte mehr als Abraham zu seiner Lebenszeit je wissen konnte. Er kannte die geschichtlichen Auswirkungen des Gehorsams Abrahams.  Er wußte bereits, was Abraham nur glauben konnte. Wir wissen heute noch weit mehr als der Verfasser der Lesung, weil wir Jesus Christus jenen Sproß Abrahams kennen, in dem alle Völker der Erde gesegnet sind. Und den Gott auf dem Berg der Verklärung als seinen geliebten Sohn geoffenart hat, auf den wir hören sollen.
  • Abraham hat sich den werbenden Worten Gottes hingegeben, ohne davon betäubt zu werden.
5.2 Die Geschichte gibt dem Glauben Abrahams recht
  • Millionen und Abermillionen, Juden wie Christen und Moslems berufen sich auf Abraham als den Vater des Glaubens. Jesus Christus selbst nennt ihn so.
  • Jesus hat als Mensch von Abraham gelernt auf Gott zu hören und ihm zu gehorchen. Abraham war auch für ihn der Vater des Glaubens. Wir dürfen von beiden lernen, zu hören, WIE und WAS sie gehört haben und den ihren Gehorsam des Glaubens nachzuahmen.
  •  Es gibt im Leben eines jeden Menschen jene innere Stimme des Gewissens, die ihm sagt: DAS IST DEIN WEG. Oder wenigstens: Das ist der nächste Schritt.
5.3 Wir werden zum Segen für andere, für kommende Geschlechter
  • wenn wir uns von Gott führen und unseren Lebensweg bestimmen lassen, wenn wir in Gehorsam und Liebe diesen Weg gehen, wenn wir mit  mit Leib und Seele, ja mit unserem ganzen irdischen Tun dieses Vertrauen auf Gott verkünden.
  • Nur bruchstückhaft weiß ich heute, was mein 58jähriges Wirken bei den mir begegnenden und anvertrauten Menschen und das Zeugnis für den Herrn bewirkt hat und bewirken wird. Ich tue es in Glauben an Gott und im Vertrauen auf ihn.
  • Wären nicht vor uns Menschen gewesen, die sich vom Herrn führen und ihren Lebensweg bestimmen ließen, wären wir heute keine Christen.
  • Wir können nicht absehen, was unser Einsatz für den Herrn und seine Kirche als Priester, als Katecheten, als mitsorgende und mithelfende Gemeindeglieder, als Eltern für die kommenden Generationen bedeutet, auch dann wenn der Erfolg zunächst auszubleiben scheint, wie bei Abraham.
  • Zunächst kinderlos verheiratet empfängt Abraham erst mit 75 die Verheißung, er werde zu einem großen Volk werden und in seinen Nachkommen sollen alle Völker gesegnet werden. Dann mußte er nochmals 25 Jahre warten bis das Kind der Verheißung kam.
6. Nur Gott hat den Überblick
  • Wie dem Abraham, so fehlt auch uns der Überblick, den Gott hat. Noch leben wir am Fuße des Berges der Verklärung.
  • Ab und zu, vor allem an Ostern nimmt uns der Herr mit auf den Berg der Verklärung. Wir erkennen schlagartig: Nur eines ist wichtig, auf den geliebten Sohn des Vaters zu hören, seinem Ruf zu folgen, ihm zu gehorchen, für Gottes Zukunft zu leben und zu wirken.
  • Augenblicke sind es, da wir im Lichte stehend von seiner Liebe und Herrlichkeit überwältigt erkennen: Das ist der Sinn allen Lebens und Seins, Gott anzubeten und aus ganzem Herzen zu lieben, sich herzuschenken an seine Kirche und seine Menschen, mit Leib und Seele zu sagen: „Gott, wer ist wie du!“

[1][1] 1. L  Gen 12,1–4a; 2. L 2 Tim 1,8b–10; Ev Mt 17,1–9