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Lesejahr A 2016/12 bis 2017/11

Predigt - Homilie am 4.Advent in St. Johannes Großenbuch

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Menschwerdung Gottes - auch heute [1]

1 Ein Haus für Gott?
Der König David hatte anscheinend Gott gegenüber ein schlechtes Gewissen. Er selber wohnte in einem Plast aus Zedernholz. Die Bundeslade - das Zeichen des mitten unter seinem Volk gegenwärtigen Gottes – ist immer noch wie bei der Wüstenwanderung in einem Zelt untergebracht.
Wie ein Vorwurf klingt die durch den Propheten Natan an David gestellte Frage des Herrn "Du willst mir ein  Haus bauen, dass ich darin wohne?" Gott lässt sich nicht auf einen Ort festnageln. Er ist an allen Orten für alle Menschen da.
Jesus wird dies später in seinem Gespräch mit der Samariterin am Jakobsbrunnen bestätigen. Er sagt, dass eines Tages die Menschen weder im Heiligtum der Samariter auf dem Garizim noch im Tempel von  Jerusalem Gott anbeten werden.
Denn mit Jesus bricht eine nicht mehr an einen bestimmten Ort gebundene Zeit der Anbetung Gottes an. "Aber die Stunde kommt und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden."[2]
Nicht wir Menschen geben Gott Wohnung, sichern gleichsam seinen Bestand bei uns, sondern Gott schenkt dem seine Nähe und Gegenwart, der ihn als den allgegenwärtigen Geist an allen Orten sucht und anbetet.
Und doch - am Ende der Lesung teilt der Prophet Natan dem David die Zusage Gottes mit - sein Haus und Königtum bleiben ewig bestehen. Äußerlich gesehen war dieser Bestandsschutz nicht von Dauer.
2 Was also ist mit der ewigen Herrschaft?
 In der Botschaft des Engels greift das Lukasevangelium
2.1 Die Verheißung an David
auf und wendet sie auf den aus dem Geschlecht Davids kommenden Jesus, dem Sohn Mariens, an. Nicht irdische Herrschaft ist mehr gemeint, sondern die Herrschaft des von den Toten auferweckten und von Gott zum Herrn über Lebende und Tote zum Herrn über das All eingesetzten Christus.[3]
So versteht die Urkirche und die Kirche bis heute die Zusage des Engels an Maria. Dieses Handeln Gottes an und in Jesus Christus preisen wir heute mit dem Sänger des Psalms 89 im Antwortgesang "Deine Huld besteht für immer und ewig; deine Treue steht fest wie der Himmel."[4]
Gottes Macht zeigt sich in seiner Treue, die in Jesus an unserer Seite ist - bis hinein in den Tod und jenseits des Todes. Seine Liebe und Treue ist die einzige Bestandsgarantie für unser Leben, unsere gegenwärtige und zukünftige Existenz.
Wenn wir ihn in uns regieren lassen, dann ist sein Reich in uns gegenwärtig. Wohnt seine Herrschaft in uns, dann haben wir teil an seinem Königtum und seiner ewigen Herrschaft. Und wir werden nie und nimmer untergehen.
In der Taufe hat die Einwohnung Gottes durch seinen Heiligen Geist in uns begonnen. Im "Gehorsam des Glaubens" wird sich, wie Paulus im Römerbrief schreibt[5], die Einwohnung Gottes durch den Heiligen Geist in uns vertiefen und festigen.
Sein Reich wird für uns und die uns begegnenden Menschen erfahrbar, wenn wir den Namen Gottes des Ich-Bin-Da leben. Indem Du für andere da bist, sie ernst nimmst in ihrer von Gott geschaffenen Einmaligkeit und Würde, wirst du zum wahren überzeugenden Bild Gottes.
2.2  Maria  - die Hörende und Fragende
An Maria fasziniert mich, dass sie nicht einfach nur Befehlsempfängerin Gottes ist. Sie erschrickt, als sie von Gott durch seinen Boten angesprochen wird, und das mit Recht.
Von Gott begnadet sein, also in seiner besonderen Zuneigung und Liebe zu stehen, ist einmal etwas sehr Großes uns bis in die Tiefe ihres Seins hinein Erschütterndes, es wird aber damit auch Verantwortung übertragen für den Heilsplan Gottes für die Welt und die Menschen. Zugleich ist solche Berufung auch vielfach mit der Durchkreuzung unserer eigenen Pläne verbunden.
An Maria fasziniert mich, dass sie Gott nicht blind gehorcht, sondern nachfragt. Sie will Klarheit. "Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne." Sie weiß, ohne Geschlechtsgemeinschaft mit einem Mann gibt es keinen Nachwuchs. Sie war zwar mit Josef verlobt, aber nicht verheiratet. Und geschlechtliche Gemeinschaft war damals vor der Ehe undenkbar und ist es im gesamten islamischen Orient bis heute. Sie erwartet also vom Boten Gottes eine Antwort auf ihre Frage. Was wird der Engel antworten?
2.3 Der Kraft des heiligen Geistes vertrauen
Die Antwort des Engels verweist Maria auf die Kraft Gottes, auf Gottes Heiligen Geist "Der heilige Geist wird über dich kommen und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten."
Für unsere sexualisierte westliche Welt, in der mehr von Verhütung als  von Zeugung menschlichen Lebens die Rede ist, wo der Nachwuchs nach langem Abwägen geplant wird, seine Existenzberechtigung von vorgeburtlichen Untersuchungen abhängt, ist solches Denken für die meisten Zeitgenossen nicht nachvollziehbar.
Und doch hat Gott auch unserer Generation eine Brücke gebaut, um  seiner schöpferischen Macht zu trauen. Wir bewundern die Weite des Kosmos, das Geheimnis der Entfaltung des Lebens, das in seiner Tiefe und Komplexität für das menschliche Auge unsichtbar ist. Sollte der Gott, der diesen gewaltigen Kosmos mit allen Wundern geschaffen hat, nicht kraft seines Geistes das Wunder seiner Menschwerdung im Schoß Mariens wirken können?
Der Engel fasst diesen Glauben an die schöpferische Macht Gottes in die wenigen Worte zusammen: "Denn bei Gott ist nichts unmöglich."
Diese Macht Gottes preist Paulus am Ende seines Römerbriefs in hymnischer Sprache "Ehre sei dem, der die Macht hat, euch die Kraft zu geben...zum Gehorsam des Glaubens."[6]
Weil die Kraft Gottes von oben wie Tau und Regen herabkommt und in Maria die Erde sich auftut, so dass Gott in ihr das Wunder seiner Menschwerdung wirkt, ist dieses in ihr wachsende Kind Gott und Mensch zugleich. Deshalb, sagt der Engel, "wird das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden."
2. 4 Der Himmel verbindet sich mit der Erde
Erst nachdem geklärt ist, wie sich die Menschwerdung Gottes ereignen wird, sagt Maria ihr Ja zum Plan Gottes „Siehe ich bin die Magd des Herrn. Mir geschehe, wie du es gesagt hast."
 Das sich in diesem Augenblick eignende große Wunder besteht darin, dass sich im Schoß Mariens der Himmel mit der Erde verbindet und versöhnt. Dies geschieht nicht in Glanz und Herrlichkeit, sondern ganz einfach im lebendigen und bergenden Schoß dieser noch jungen Frau.
Klein, unscheinbar, dem menschlichen Auge verborgen, hilfsbedürftig und doch zielstrebig wächst die durch Gottes Heiligen Geist gezeugte Frucht des Marienleibes Jesus heran; Tritt in Jesus an Weihnachten der  Gott-Mensch in unsere Welt.
Darum berührt dieses Fest, wo es auf dieses Geheimnis konzentriert gefeiert wird, den Grund unserer Seele; bricht die Sehnsucht nach Frieden und Versöhnung unter den Menschen, nach Liebe und Geborgenheit in vielen Herzen auf.
3 Menschwerdung Gottes und Christsein
          Christsein heißt demnach, wie Maria offen sein für Gott, seinen Heilswillen für die Menschheit und seine ganze Schöpfung. Im betrachtendem Beten des Rosenkranzes ereignet sich dieses Sich-öffnen.
Die Menschwerdung Gottes soll uns beflügeln, wie Maria genau hinzuhören und zu fragen, um ein Gespür für die Boten und Botschaften Gottes zu entwickeln.
Ist uns im Vertrauen auf Gott Klarheit durch Gottes Wort zuteil geworden, können wir unser Ja wagen zu der von Gott aufgetragenen und zugemuteten Aufgabe. „Denn bei ihm ist nichts unmöglich.“
Von der Menschwerdung Gottes durchdrungenes Christsein heißt, im Bewusstsein der eigenen Schwäche und Grenzen sich den Kleinen Armen und Schwachen, den in jeder Hinsicht Hilfsbedürftigen zuzuwenden.
Die Adveniat Aktion an Weihnachten ist eine gute Möglichkeit dazu. Sie steht unter dem Leitwort „Faire Arbeit – Würde. Helfen.“ Wo das geschieht kann werden was der lateinische Anfang des »Vater unsers« meint „Dein Reich komme“.
Laien, Ordensleute und Priester sind die Hoffnungsträger der Armen in Lateinamerika. Mit ihrem täglichen Wirken in der Seelsorge, der Fürsorge für die Notleidenden und mit Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit lassen sie das Reich Gottes schon hier und heute spürbar werden. Mit einer regelmäßigen Spende können wir daran mitwirken.
Wo solche Hinwendung zu den im Dunkel Lebenden geschieht beginnt Gott zu regieren - wird auch heute sein Reich erfahrbar - begreifen die Menschen, was Menschwerdung Gottes in Jesus Christus heute bedeutet.
 

[1]  L 2Sam 7,1-5.8b-12.14a.16; 2. L Röm 16,25-27; Ev Lk 1,26-38
[2] Joh 4,20-24
[3] vgl. Röm 14,9; 2 Kor 6,19
[4] 89,3
[5] Rom 16,25-27; vgl. Röm 5,5
[6] Röm 16,24.26