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Predigten

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Lesejahr A 2016/12 bis 2017/11

Predigt - Homilie am 7.Son.A2017 in Großenbuch und Neunkirchen St.Michael

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„Seid heilig, denn ich, der Herr, euer Gott, bin heilig.“
(1)
1. Das Heiligkeitsgesetz – ist das Grundgesetz des Volkes Gottes
Die Bundesrepublik Deutschland hat sich nach der Katastrophe der Naziherrschaft und des zweiten Weltkrieges  ein neues Grundgesetz gegeben.  Es wurde in dem Bewusstsein  „der Verantwortung vor Gott und den Menschen“ beschlossen. Es hat uns 70Jahre Frieden und die unblutige Wiedervereinigung unseres Volkes beschert. Leider gibt es heute mehr und mehr Kräfte, denen die „Verantwortung vor Gott“ nicht passt und sie ablehnen.

In der Lesung aus dem Buch Levitikus verkündet Gott „der ganzen Gemeinde  der Israeliten“ durch Mose – also mit höchster göttlicher und menschlicher Autorität – das  Heiligkeitsgesetz. „Seid heilig, denn ich, der Herr, euer Gott, bin heilig.“ Das  ist auch das Grundgesetz der Jüngergemeinde Jesu, der Kirche. Jesus hat es uns heute Im Evangelium gesagt „Seid vollkommen - wie es auch euer himmlischer Vater ist.“[2]

Zu unserer Freude preist der Antwortpsalm Gott „der alle Schuld vergibt und all deine Gebrechen heilt; der dein Leben vor dem Untergang rettet und dich mit Huld und Erbarmen krönt.“[3]

2 Das Heiligkeitsgesetz gründet in der immerwährenden Nähe Gottes und in der gelebten Nächstenliebe
 2.1 Gott bindet sich an sein Volk und führt es
Nach der wunderbaren Befreiung aus der Sklaverei Ägyptens und der Errichtung des heiligen Zeltes am Sinai schließt Gott mit dem Volk Israel einen Bund mit der Zusage „ich will mitten unter den Israeliten wohnen und ihr Gott sein.“[4]

Von Gottes Gegenwart fasziniert und vor dem Geheimnis seiner Heiligkeit erzitternd  – Die Theologen nennen das mysterium faszinosum und mysterium tremendum -   beten sie Gott als den Heiligen und Vollkommenen an. Dankend und lobend soll meine Seele vor Gott sein,  damit ich nicht vergesse, was er mir Gutes getan hat.[5]

2.2  In der gelebten Nächstenliebe wird die Heiligkeit Gottes erfahrbar
2.2.1 Zunächst geht es im Alten Testament um die gelebte Liebe gegenüber dem Bruder.
Das Alte Testament weiß um den Bruderhass, um seinen mörderischen Charakter, seine verheerenden Folgen für eine Gemeinschaft und schließlich um die böse Rückwirkung auf den Hassenden selbst. Brutal sichtbar in der Geschichte von Kain und Abel, von Josef und seinen neidischen Brüdern.

Zurechtweisung[6] ist nötig, aber sie darf nicht gehässig sein und nicht darin bestehen, den Schuldigen fertig zu machen, sondern ihm den Weg zum rechten Verhalten zu weisen und zur Wiedergutmachung zu ermutigen. Wenn sie das nicht tun, würden sie an ihrem Bruder schuldig.[7]

Die Heiligkeit Gottes zeigt sich auch in der Allmacht seiner Vergebung.  Wenn  die Glieder des Volkes Gottes diese nachahmen,  haben sie teil an Gottes vergebender Heiligkeit. “Er handelt an uns nicht nach unseren Sünden und vergilt uns nicht nach unserer Schuld.“[8]

2.2.2 Die Heiligkeit und Vollkommenheit Gottes erreicht in Jesus ihren Höhepunkt
Sie geht über die Liebe zum Nächsten bis zur Feindesliebe. Darin wird unsere Teilhabe an der Sohnschaft Jesu offenbar,  dass wir nicht nur die lieben, die uns lieben, sondern wie Gott alle und das Notwendige geben ”den Gerechten und den Ungerechten.“[9]

Unsere Liebe muss sich von den Weltmenschen und Heiden unterscheiden. Heilig sein heißt, nach Gottes Art, wie sie in Jesus sichtbar geworden ist, zu lieben.

Wie das geht zeigt die 2. Lesung an die Christen in der antiken Hafenstadt Korinth

2.2.3  Wir müssen uns entscheiden
 Alles entscheidet sich an der Frage, ob wir den Menschen nur als einen Teil der Natur sehen – dann sind unsere Handlungen innerhalb der Natur vorherbestimmt und die Freiheit des Menschen ist eine Illusion.

Wenn wir - wie Luther - den freien Willen des Menschen leugnen, dann kann der Mensch gar nicht anders als seinen Trieben folgen.

Wenn jemand z.B. behauptet, schwul sein sei genetisch bedingt, dann heißt das für die Betroffenen, sie können gar nicht anders als ihre sexuelle Orientierung ausleben, auch wenn sie dabei unglücklich und unzufrieden sind.

Leider denken auch manche  Therapeuten und auch manche Priester so, obwohl es dafür keinen einzigen wissenschaftlich begründeten Beweis gibt.

Wenn wir in den Betroffenen unsere Brüder und bei den Lesben unsere Schwestern sehen, werden wir sie auf die Möglichkeit der Heilung aufmerksam machen. Sie haben ein Recht auf Therapie.[10]

 Es gibt inzwischen viele, die diese sexuelle Orientierung mit den Gefahren für die Gesundheit hinter sich gelassen haben und mit einer Frau glücklich sind.

Auch wenn es für manche Zeitgenossen eine Torheit ist: Gott hat den Menschen als sein Ebenbild, als Mann und Frau geschaffen und zur Heiligkeit berufen.

Wie kann diese gelingen? Die 2. Lesung[11] zeigt uns den Weg

3 Die „Weisheit der Welt“ durch „die Torheit Gottes“ überwinden
Die Menschen wollen hoch hinaus. Sie wollen sich selbst verwirklichen, oft auf Kosten anderer. Die Weltmenschen brauchen Gott nicht. Ihre Device „Genieße das Leben. Morgen sind wir tot oder werden in einem anderen Leib wiedergeboren.“ Sie täuschen sich.

Gott ist sich nicht zugut, um in mir durch seinen Geist zu wohnen. Und habe ich diese Wohnung versaut, reinigt er sie im Sakrament der Sündenvergebung. Und er macht es sogar von mir abhängig. Ich muss es nur zulassen und ihn darum bitten.

Wir groß sind die Gedankengebäude der Philosophie und die Erkenntnisse der Wissenschaften. Wie oft haben sie sich schon als falsch und überholt erwiesen. Mächtig blasen sie sich hin und wieder auf. Jede Verrücktheit wird heute ausprobiert.

Und doch weiß keiner, was morgen ist. „Es kommt meist anders als man denkt.“ Gott aber kennt jeden von uns bis auf den Grund unserer Seele. In dem Lied GL 428 - eine Nachdichtung des Psalms 139 - zieht sich diese göttliche Offenbarung durch die ganze Messe.

 Durch seine Menschwerdung in Jesus und durch Jesu Hingabe bis in die Tod hat Gott unser Menschsein geheiligt und zur Vollendung in seinem Reich berufen.

Darum sagt Paulus im Römerbrief „Leben wir - so leben wir dem Herrn; sterben wir - so sterben wir dem Herrn. Ob wir leben oder ob wir sterben, wir gehören dem Herrn.“[12]

Die Weisheit dieser Welt meint, das Leben, die Welt gehöre uns Menschen. Aber morgen sind auch die Weisen und Klugen dieser Welt tot. Dem Herrn gehört die Erde und was sie erfüllt, der Erdkreis und seine Bewohner.[13] Verkündet uns der Psalm 24.

Die Weisheit Gottes sagt uns durch den Mund des Paulus: „Ihr aber gehört Christus, und Christus gehört Gott.“[14] Nur dann gehört uns wirklich alles: Die Heiligen, die uns vorausgegangen sind, Welt, Leben, Tod, Gegenwart und Zukunft. Wer heilig ist, wer vollkommen liebt, sich ganz wie Jesus an Gott und seine Menschen verschenkt, dem gehört alles.[15]


[1] Homilie zu 1. L Lev 19,1–2.17–18; 2. L 1 Kor 3,16–23; Ev Mt 5,38–48
[2] ^mt 5,48
[3] Ps 103,3.4
[4] Lev 29,45
[5] vgl Ps 103,2
[6] Lev 19,17
[7] vgl ebd.
[8] Ps 103,10
[9] Mt 5,45
[10] DIJG Homosexualität Für Selbstbestimmung, die Freiheit der Forschung und Therapiefreiheit in: http://www.dijg.de/homosexualitaet/allgemein/ und http://www.dijg.de/
[11] 1 Kor 3,16-23
[12] Röm 14,8
[13] Ps 24,1; 1 Kor 10,26
[14] 1 Kor 3,23
[15] vgl 1 Kor 3,22