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Lesejahr A 2016/12 bis 2017/11

Predigt - Homilie am 15.So.A2017 in der Sonntagvorabendmeese in Honings

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Das Schicksal des Wortes Gottes [1]
1 Ein Sämann ging aufs Feld um zu säen

Dazu ist Jesus gesandt, die frohe Botschaft von der anbrechenden Gottesherrschaft in die Herzen der Menschen zu säen. Darum schließt er sein Gleichnis mit dem Aufruf: „Wer Ohren hat, der höre!“
Wir wissen, wie es dem Sämann Jesus ergangen ist: Viele hörten sein Wort, aber als es ernst wurde, standen nur wenige dazu.
Vor und nach Jesus gab und gibt es viele Säleute Gottes, Priester und Laien, Mütter und Väter, Omas und Opas, welche die Botschaft Gottes in die Herzen der Menschen säten, manchmal mit großem Erfolg, dann wieder erfolglos.
Jesus macht mit dem heutigen Evangelium deutlich: am Samen liegt es nicht, ob die Saat aufgeht und Frucht bringt, sondern am Boden. Der Mißerfolg darf nicht dazu verleiten, nicht zu säen.
Ich darf auch nicht fragen: Hat es einen Wert, zu säen, wird die Saat aufgehen, wird sie reifen? Ist mein Säen vielleicht umsonst? Die Ernte ist nicht unsere, sondern Gottes Sache.
Bevor wir aber Säleute Gottes werden können, müssen wir selber
2 Das Wort Gottes aufnehmen und Frucht bringen
Das Evangelium spricht vom Schicksal des Wortes Gottes in uns.
2.1 Einiges fällt beim Säen auf den Weg
einen Fußpfad, der mitten durch das Feld führt. Die Vögel picken es auf. Weg bedeutet, man geht schnell vorüber.
Auf den Weg fällt das Wort Gottes bei mir, wenn ich es eilig habe, es nur so im Vorübergehen aufnehme.
Meine Gedanken noch oder schon wieder wo ganz anders sind. So werden sie die Vögel, die das Wort Gottes in mir auffressen.
2.2 Ein anderer Teil fällt auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde gibt

Es geht zwar auf, aber es verdorrt, weil seine Wurzeln nicht tief reichen. Solch felsiger Boden bin ich, wenn ich in der Tiefe meines Herzens verschlossen oder hartherzig bin, mit einem Wort – wenn ich ein Egoist bin. Oder wenn ich in schwerer Sünde lebe und nicht bereit bin umzukehren.
Ich höre zwar das Wort Gottes, sage vielleicht, „stimmt schon, sollte man machen“, aber es kann nicht Wurzel fassen in mir, weil mir die innere Offenheit und Umkehrbereitschaft fehlt.
Jesus selber spricht im Evangelium davon, dass die hart gewordenen Herzen die Schwerhörigkeit gegenüber dem Evangelium verursachen.
2.3 Ein anderer Teil fällt unter die Dornen, die es schließlich ersticken
 Unter die Dornen fällt bei mir das Wort Gottes, wenn in meiner Umgebung ständig gegen die Säleute Gottes gestichelt und gegen die Kirche gehetzt wird; wenn man mir ständig nur Zweifel und Einwände in die Ohren bläst, wie es heute häufig durch Medien, Internet und den sog. Mainstream geschieht.
Wenn ich mich in dieses Dorngestrüpp begebe, wird die innere Offenheit in mir erstickt, ich werde zwischen den Meinungen hin und hergerissen und mein Herz kann nicht mehr zur Ruhe und Einsicht kommen.
Dennoch endet die Rede Jesu positiv und zuversichtlich.
2.4 Ein anderer Teil fiel auf gutem Boden und brachte Frucht
Das Ergebnis ist enorm: hundertfache, sechzigfache, dreißigfache Frucht. Auf tiefgründigen und fruchtbaren Boden fällt bei mir das Wort Gottes,
- Wenn ich dafür Zeit habe und darin verweilen kann.
- Wenn ich als Person noch wachsen und reifen will, also innerlich offen bleibe.
- Wenn ich mein Ich von der Liebe Jesu formen lasse.
Auf fruchtbaren Boden fällt das Wort Gottes bei mir,
- wenn ich mir im Klaren darüber bin, dass in den Medien viele Feinde Gottes und der Kirche sitzen.
- wenn ich eben nicht medienhörig bin, sondern kritisch gegenüber den Kritikern der Kirche bleibe.
- Wenn ich mir darüber klar werde, dass nicht deshalb schon etwas wahr ist, weil es Promis sagen oder weil es im Fernsehen, im Internet gesendet wird oder weil es in den Printmedien steht.
Die Frage, vor die mich das Evangelium stellt, heißt:
3 Auf welchen Boden fällt bei mir das Wort Gottes?
3.1 Was muß ich bei mir ändern, damit das Wort Gottes bei mir ankommt und Frucht bringen kann?
Ich stelle mir die Frage: Was bedeutet mir den sonntägliche Gottesdienst? Ist die Euchristiefeier der Höhepunkt meiner Lebenswoche?
Die aus Breslau vor den Russen nach Thüringen in ein rein evangelisches Gebiet geflohene Familie des gerade verstorbenen Kardinals Joachim Meißner ging – am Ort war nur alle drei Wochen eine Sontagsmesse – an den anderen Sonntagen zu Fuß in den 11 km entfernten anderen Ort und 11 km wieder zurück. So wichtig war ihnen die Eucharistie. So wuchsen glaubensstarke Menschen heran - wie Kardinal Meißner einer war - die mit der Kirche und aus der Eucharistie leben.
Wir werden uns deshalb fragen: Mit welcher Absicht gehe ich in den sonntäglichen Gottesdienst? Habe ich Zeit für Gott? Bin ich hör- und umkehrbereit? Bin ich bereit vor ihm zu verweilen oder schaue ich nur auf die Uhr?
Sind meine einzigen Informationsquellen die Medien dieser Welt? Oder leiste ich mir wenigstens eine religiöse Zeitschrift und lese sie auch.
Höre und sehe ich nur weltliche oder interessiere ich mich für kirchliche und katholische Sender, wie Radio Horeb, EWTN und K-TV.
Ist mir die eigene Tagesschau vor Gott genauso wichtig wie die Tagesschau im Fernsehen?
Nehme ich in meinem Bewußtsein nur die negativen Schlagzeilen aus Kirche und Gemeinde wahr?
Mache ich mir die Mühe einmal das Positive, das täglich in der Kirche und in unseren Pfarrgemeinden geschieht, wahr- und in mich aufzunehmen?
Hören wir, was der berühmte russische Philiosph Wladimir Solowjew rät
3.2 Wie wir zuversichtliche Säleute Gottes werden
Als erstes sagt er warnend:
„An das Gute nicht glauben, ist sittlicher Tod. An sich selbst als den Quell des Lebens glauben ist Wahnsinn."
Dann legt es uns Folgendes ans Herz:
„An den göttlichen Quell des Guten glauben und zu ihm beten, indem man ihm den eigenen Willen in allem hingibt, ist wahre Weisheit und der Anfang der sittlichen Vollkommenheit.“
Solojew appelliert an unsere Sehnsucht und unseren Willen, freie Menschen zu werden und zu sein:
Wenn wir wirklich ein freies und vollkommenes Leben wollen, dann müssen wir uns demjenigen anvertrauen und hingeben, der uns vom Bösen befreien und uns die Kraft des Guten geben kann, der Freiheit und Vollkommenheit selbst ewig besitzt.“[2]
Und er ermutigt alle, die versucht sind aufzugeben:
„Leben wecken können nur die Glaubensstarken … Das sind die wahren Propheten, die wirklich guten Menschen, die Führer der Menschheit.“
 

[1] Homilie zu Mt 13,1-9
[2] Solojew, Die Erzählung vom Antichrist  in Antanas Maceina, Das Geheimnis der Bosheit, Herder 1955