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Lesejahr A 2016/12 bis 2017/11

Predigt - Homilie am Pfingsten im Altenheim und in der SoAm in St. Michael

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Der heilige Geist - das gösste Geschenk Gottes
Der den Kommunisten nahestehnde Dichter Berthold Brecht spöttelte einmal:
1. "Pfingsten sind die Geschenke am kleinsten"
  • Er brachte damit auf seine Weise zum Ausdruck, dass von den drei Festen der Christenheit - Ostern, Weihnachten, Pfingsten, das dritte, die kleinste Rolle im Bewusstsein vieler Christen spielt.
  • Pfingsten sei deshalb gut, sagte ein Schüler, weil da 15 Tage keine Schule ist. Und eine Zeitungsreklame verkündete: "Alles, was Sie an Pfingsten brauchen: „Deutschen Spargel, ein zartes Zicklein und einen feinen Riesling aus Iphofen."
2. Was brauchen wir Menschen wirklich?
  • Natürlich brauchen wir zu Essen und zu Trinken. Zu einem Fest gehört auch ein gutes Essen. Das hebt die Lebensfreude. Dennoch ist die Frage zu stellen: Hängt unser Leben und unser Glück allein an den Gaumenfreuden, an der Befriedigung unseres Nahrungs- und Genusstriebes?
  • Immer schon hat mich eine Stelle beim Propheten Habakuk geschockt, aber auch fasziniert, wo dieser mitten im Krieg, angesichts von Zerstörung und schwerer körperlicher Leiden ausruft: "Zwar blüht der Feigenbaum nicht, an den Reben ist nichts zu ernten, der Ölbaum bringt keinen Ertrag, die Kornfelder tragen keine Frucht; im Pferch sind keine Schafe, im Stall steht kein Rind mehr. Dennoch will ich jubeln über den Herrn, und mich freuen über Gott, meinen Retter.  Gott, der Herr, ist meine Kraft. Er macht meine Füße schnell wie die Füße der Hirsche und läßt mich schreiten auf den Höhen."
  • Der Geist Gottes vermag mitten in der Not und im Untergang in der Seele neues Leben zu entfachen, so dass der Mensch jubeln und sich freuen kann über seinen Gott; sich wieder in Bewegung setzt und aus dem Tal der Tränen herausfindet und aufsteigt zu den Blick weitenden - eine neue Zukunft eröffnenden Höhen.
  • Äußerlich, vom Haben-Wollen her gesehen, sind die Geschenke an Pfingsten am kleinsten. Wer aber von Innen und vom Sein her denkt und empfindet, der wird sagen: An Pfingsten wird uns
3. An Pfingsten wird uns das größte Geschenk zuteil, das Gott uns zu geben hat: der heilige Geist.
Was heißt das?
3.1 Er ist es, der von Anfang an über der Schöpfung schwebt und sie aus dem Chaos zum Leben befreit
  • Alles Leben ist Werk des Heiligen Geistes Gottes. Darum singen wir heute mit Recht: "Komm, Heil’ger Geist, der Leben schafft" oder in der ökumenischen Übersetzung: "Komm, allgewaltig heil’ger Hauch, der alle Kreatur belebt."  Weil Gottes Geist alles belebt, gibt es die große Vielfalt der Schöpfung, gibt es uns Menschen, von Gott nach seinem Bild geschaffen als Mann und Frau.
  • Jeder Mensch ist Werk des heiligen Geistes. Er bewirkt unsere Gottebenbildlichkeit und schenkt uns jenen göttlichen unsterblichen Lebensodem, den wir Geist-Seele nennen. Der heilige Geist befähigt den Menschen, dass dieser zum Bild Gottes werdend inmitten seiner Schöpfung Gott aufleuchten lässt. In jedem Menschen, der seinem Gewissen folgt, kann der Heilige Geist gegenwärtig und wirksam sein:
  • Das Herz, die Mitte der Person, ist "der verborgene Ort der Begegnung mit dem Heiligen Geist, mit dem verborgenen Gott. Genau hier wird der Heilige Geist zur sprudelnden Quelle, deren Wasser ewiges Leben schenkt", wie Johannes Paul II in seiner Heilig-Geist-Enzyklika  »Dominum et vivicantem«, schreibt. Deshalb rufen wir in der Pfingtsequenz: "Komm, der jedes Herz erhellt."
  • Wo das Herz vom Licht des Geistes, von der Liebe Gottes erfüllt ist, da fängt es an, nach außen zu strahlen. Diese Ausstrahlung geschieht durch den heiligen Geist. Darum die inständige Bitte in der Pfingtsequenz: "Komm, o du glückselig Licht, fülle Herz und Angesicht, dring bis auf der Seele Grund."
3.2 Unter dem Wirken des Heiligen Geistes öffnet sich der Mensch der göttlichen Liebe
  • Als Liebender wird er unabhängig von  nur äußerer Bedürfnisbefriedigung. Er lebt aus einer Quelle, die in ihm sprudelt. Diese wird nicht aus seinem Ich und Selbst gespeist, sondern vom Heiligen Geist. Darum schreibt Paulus an die Römer: "Das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, es ist Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist ... Laßt uns also nach dem streben, was zum Frieden und zum Aufbau der Gemeinde beiträgt" [1].
  • Wenn Gott bei uns das Sagen hat, geht es uns nicht mehr darum, uns auf Kosten anderer, auf Kosten seiner Schöpfung allen nur denkbaren Luxus zu leisten. Da gewinnt die Bereitschaft, miteinander zu teilen und versöhnlich miteinander umzugehen, die Oberhand.
  • Wenn Gottes Geist uns dazu bewegt, Gerechtigkeit und Frieden über den persönlichen Vorteil zu stellen, dann wird in und unter uns eine tiefe Freude lebendig; eine Freude, gegen die das Vergnügen, das wir uns mit allen möglichen Genüssen selbst bereiten können, klein und unbedeutend ist.
  • Der Heilige Geist ist das größte Geschenk Gottes an uns Menschen, weil er aus dem Innersten Gottes kommt. Zugleich ist er die Liebe, die zwischen dem ewigen Gott, dem Vater und seinem menschgewordenen Sohn ihre Einheit ist.
3.3 Jeder Mensch und die ganze Menschheit ist in diesen innergöttlichen Dialog der Liebe mit hineingenommen
  • In der Taufe wurde uns dies zugesagt, als wir auf den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist getauft wurden. In der Taufe wurde der Liebesplan Gottes, der ein Plan zur Befreiung, Erlösung und Gemeinschaft ist, an uns offenbar.
  • In der Firmung werden wir besiegelt mit dem Heiligen Geist. Unauslöschlich wird der Seele, dem Geist und Leib des Getauften und Gefirmten eingeprägt: Du wirst Jesus Christus als den Auferstandenen und beim Vater Erhöhten vor aller Welt bezeugen.
  • Deshalb werden wir Christen uns nicht  für die Konfrontation, sondern für den Dialog, für das Gespräch einsetzen. Wir werden den geistigen Austausch sowohl in der Kirche, wie auch in den weltlichen Gemeinschaften und zwischen den Völker pflegen. Die Päpste Paul VI,  Johannes Paul II. Papst Benedikt XVI und Papst Franziskus sind uns hierin ein leuchtendes Beispiel. Paulus schreibt es den Korinthern und uns ins Herz: "Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur einen Geist...jedem aber wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, dass sie anderen nützt." [2]
3.4 Der Geist wird geschenkt zur Befreiung und Erlösung
  • Deshalb haucht der Auferstandene den Jüngern seinen Heiligen Geist zu, in dessen Kraft sie die Vergebung der Sünden schenken.
  • Der Heilige Geist ist es, der uns in Christus zu einem einzigen Leib verbindet. Er befreit die Menschen aus ihrer rassistischen und nationalistischen Befangenheit und führt sie zu einer fundamentalen gleichen Würde.
  • Dabei wird die Verschiedenheit der Herkunft, der Rasse und Sprache nicht geleugnet, aber es wird gezeigt, wie der eine Geist Gottes eben alle Unterschiede überwindet. Je mehr sich die Menschen diesem einen Geist Gottes öffnen, desto eher werden sie ihre konfliktreichen Unterschiede überwinden, ob diese nun Rassismus oder Nationalismus heißen.
  • Das Geschenk des Geistes wird sowohl die Sprachlosigkeit wie die Verständnisschwierigkeiten zwischen den Völkern und den einzelnen Menschen aufheben, wie es beim ersten Pfingstfest in Jerusalem geschieht.
  • Die Geschichte vom Turmbau zu Babel lehrt uns:  Die Menschen wollen hoch hinaus, sich einen Namen machen. Dieses Streben entfremdet die Menschen voneinander. Die Folgen sind: Gott verwirrt ihre Sprache, keiner kann mehr den anderen verstehen und ihr Werk wird zur Ruine.
  • Solches Streben, so denke ich, verbirgt sich heute auch hinter dem Wort Globalisierung. Fusionen und Zusammenschlüsse zu immer größeren Einheiten bei Banken, bei Firmen, um sich im Konkurrenzkampf besser behaupten zu können. Wo der Stärkere aber den Schwächeren frisst, entstehen Unfrieden und Hass, wird jener Ungeist offenbar, den die Nationalsozialisten bis zum Exzess vorgeführt haben, bis er in einem Meer von Blut und Tränen und unter Trümmern erstickte.
  • Dieser Ungeist kann zu jeder Zeit wieder aufleben. Es ist die Ursünde: Der Mensch will sein wie Gott. Er überhebt sich über seinen Schöpfer, indem er selber bestimmt, wer Lebensrecht hat und wer keines, welches Leben lebenswert ist und welches nicht.
  • In der vorgeburtlichen Untersuchung der Schwangeren wird schon darüber entschieden, ob ein Kind Lebensrecht hat oder nicht. Selektion nannten die Nazis diesen Vorgang, den sie an Juden, Zigeunern und sog. Geisteskranken anwandten. Selektion = Ausssonderung = Vernichtung.
  • In Computerspielen kann man heute virtuell Krieg führen, abschießen, erschießen, zerstören. In den Ländern des Nahen Ostens, in den Krisengebieten Afrkas geschieht es täglich life, bei uns in Familientragödien und manchmal an Schulen nicht nur in Amerika.
4. Der Heilige Geist zeigt den rechten Weg
  • Fritz Gerlich, Redakteur einer Münchner Zeitung, wurde von dieser 1932 nach Konnersreuth geschickt, um die stigmatisierte Resl zu besuchen. Als er sich auf den Weg dorthin machte, sagte er: "den Schwindel werde ich aufdecken".
  • Er kam bekehrt nach München zurück. Von nun an deckte er den Schwindel der Nationalsozialisten auf, ihren rassistischen und nationalistischen Geist. Diesen bekämpfte er mit seiner Zeitschrift: "Der Rechte Weg".
  • Als die Nationalsozialisten an die Macht kamen, wurde seine Zeitschrift verboten. Man riet ihm, sich in die Schweiz abzusetzen, um seine Haut zu retten. Er sagte: Mein Platz ist hier. Hier werde ich Widerstand gegen den Ungeist der Nazis leisten. In der Redaktion wurde er von den braunen Horden überfallen und brutal zusammengeschlagen. Er starb  an den Folgen der Misshandlungen.
  • Ob Pfingsten das Fest der kleinsten Geschenke oder des größten Geschenkes wird, hängt davon ab, ob wir uns Gott und Jesus, dem Auferstandenen, öffnen und inständig um das Geschenk seines Geistes bitten: "Komm herab, o heil'ger Geist, der die finstre Nacht zerreißt, strahle Licht in diese Welt." Komm, Heiliger Geist, zeige uns den rechten Weg!
 

[1] Röm 14,17,19
[2] 1 Kor 12,4f,